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Trends und Innovationen in der Landwirtschaft - diese 5 solltest du kennen

Katharina Rösner
Salat nachhaltig anbauen Trends in der Landwirtschaft Titelbild - Quelle: Pixabay
öffnet größere Ansicht, auf dem im FrachtPilot der Lagerbestand mit allen wichtigen Informationen geöffnet ist

Kund:innen wünschen sich weiterhin regional und nachhaltig produzierte Lebensmittel. Platzsparende Lösungen wie Agri-PV, Aquaponik oder Vertical Farming erfreuen sich großer Zustimmung unter den Verbraucher:innen. Digitale Lösungen können Betriebe und Tierwohl unterstützen und Insekten könnten die Landwirtschaft langfristig unabhängig von umweltbelastenden Sojaimporten machen. Wir haben uns für dich näher mit 5 Innovationen in der Landwirtschaft befasst.

In Kürze vorab

  • Nachhaltigkeit bleibt weiterhin ein Ziel in der Landwirtschaft
  • Regionale, platzsparende und wasserschonende Lösungen sind zentrale Faktoren für Nachhaltigkeit
  • Insekten verfüttern statt Soja zu importieren als regionale Lösung
  • Kombination von Pflanzen- und Fischzucht oder von Tieren, Pflanzen und Photovoltaik sowie andere digitale Lösungen sollen zur Nachhaltigkeit beitragen

1. Agri-PV

Mit Agri-PV, also Photovoltaik, ist die doppelte Nutzung landwirtschaftlicher Flächen gemeint, die Landwirtschaft und Solarenergie kombiniert: In der unteren Schicht hält man Tiere oder baut Pflanzen an, in der Schicht darüber stehen die PV-Module.

Die Pflanzen und Tiere werden durch diese im Sommer vor Sonne und Wärme geschützt, im Winter vor Nässe, Wind und Hagel. Beide sind so der Witterung weniger ausgesetzt.  

Die Vorteile sind eigentlich klar:

  • Höhere Erträge trotz Trockenheit
  • Reduktion von Schädlingsbefall und Pflanzenschutzmitteln
  • Reduktion des Wasserbedarfs - mehr Schatten bedeutet weniger Verdunstung
  • Erzeugung von Strom aus erneuerbaren Energien
  • Die Vielfalt an Insekten und Pflanzen an Agri-PV-Analgen erhöht sich

Was wächst gut unter den PV-Anlagen? Obst, Beeren, Gurken und Salat zum Beispiel, da sie als schattentolerante Pflanzen vom Schatten der PV-Module profitieren. Andere Sorten wie Klee und Mais vertragen so viel Schatten weniger gut, sodass eher Ertragsverluste zu erwarten sind.

Was sind aktuelle Herausforderungen? Die landwirtschaftliche Fläche hat Vorrang vor der Stromerzeugung. Das bedeutet konkret nach der Richtlinie 92/43/EWG, dass betroffene Flächen Ausgleichsmaßnamen nach sich ziehen und dass mindestens 66% des landwirtschaftlichen Einkommens erhalten bleiben muss. Vorgesehen ist der Ausbau vor allem an Infrastrukturlinien, wie bei der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz nachzulesen ist.

Das Konzept gibt es zwar bereits seit 1981, derzeit scheitert es oft allerdings am Netzausbau: Der gewonnene Strom kann oft gar nicht ins Netz eingespeist werden. So kommt es, dass an den 117 Gigawatt, die pro Jahr in Deutschland aus Solarenergie erzeugt werden, Agri-PV nur einen Anteil von nicht mal 1% ausmacht, wie es Deutschlandfunk beschreibt.

Kritisiert wird außerdem, dass die Vergütung zu gering ist, der maximal bei 6,5 Cent liegt und sich der Umbau nicht lohnt, wie du bei Deutschlandfunk nachlesen kannst. Und das obwohl Agri-PV viele Vorteile für die Natur bietet.

2. Digitale Kontrolle für Milchkühe

Aufgrund der niedrigen Milchpreise halten Milchviehbetriebe mehr Tiere, die aufgrund ihrer Züchtung mehr Milch geben. 2023 lag der Durchschnitt bei 81 Tieren, der aber je nach Region abweicht. So gibt es in Süddeutschland Betriebe mit halb so viel Tieren, in Ostdeutschland laut Landesinformationszentrum Landwirtschaft Betriebe mit bis zu 240 Kühen. Mehr zu den Zahlen kann man bei Destatis nachlesen.

Eine Kuh gibt bis zu 10.000 Liter Milch pro Jahr. Dies bedeutet für die Tiere eine hohe Belastung, die zu Euterentzündungen und Klauenproblemen führen kann sowie sich negativ auf die Fruchtbarkeit und den Stoffwechsel auswirken kann.

Die Gesundheit der Herde ist wichtig, aber gerade bei vielen Tieren schwieriger, zu überwachen. Daher geht der Trend hin zu digitalen Systemen mit Messsensorik, die dabei hilft, Gesundheitsdaten zu sammeln und den Gesundheitszustand zu beobachten. So kann Krankheiten vorgebeugt und den Tieren mehr Wohlbefinden gegeben werden. Außerdem: geht es den Tieren nicht gut, wirkt sich das auch auf die Wirtschaftlichkeit des Betriebs aus.

Beispielsweise kann man Stoffwechselstörungen daran erkennen, dass die Wiederkäudauer kürzer wird.

Digitale Systeme erkennen auch die Liegezeiten. Liegt eine Kuh viel, kann das ein Krankheitssymptom sein. Die Werte werden erfasst, während gleichzeitig für verschiedene Parameter Grenzwerte definiert sind. Die Kuh wird dann behandelt, wenn die Grenzwerte über- oder unterschritten werden. Mit solchen Systemen kann zudem die Brunst besser erkannt werden als bei Routineuntersuchungen.

Digitale Lösungen können also unter anderem für mehr Tierwohl sorgen.

3. Insekten als Futtermittel

Seit 2017 ist die Verfütterung von Insekten an Fische aus Aquakulturen wieder erlaubt, seit 2021 auch wieder für Geflügel - unter strengen Auflagen, da es in den 1990-er Jahren dadurch zum Ausbruch von BSE kam. Verarbeitet werden dabei unter anderem die Larven des Mehlkäfers. Warum stellen sie als Tierfutter eine gute Alternative dar? Ein Viertel des Sojas, der an Nutztiere verfüttert wird, wird aus Amerika und Südamerika importiert.

Zwar werden auch in Deutschland Flächen genutzt, um Soja als Tierfutter anzubauen, doch reichen die Mengen bei weitem nicht aus, wie du beim Bundesinformationszentrum Landwirtschaft nachlesen kannst.

Die Erzeugung von Soja belastet die Umwelt außerdem deutlich mehr als die von Insekten. Denn Pflanzen benötigen viel mehr Platz, Pflanzenschutz und Nährstoffe sowie Wasser als Insektenlarven. Sie helfen also dabei, die Abhängigkeit von Sojaimporten zu minimieren. Ein Vorteil von Insekten gegenüber Soja ist außerdem ihr höherer Eiweißgehalt.

Ihr Futter stammt aus Nebenprodukten der Lebensmittelindustrie wie Kartoffelschalen oder Getreideresten, die ohnehin anfallen. Andere Abfälle aus Haushalten beispielsweise sind in der EU laut Futtermittelrecht nicht zugelassen. Die Larven und Grillen werden entweder lebendig, getrocknet oder zu Mehl verarbeitet verfüttert. Für Tiere, die von Natur aus Insekten und Würmer essen, wie Schweine als Allesfresser oder auch Hühner, ist das eine geeignete Futterquelle.

Für die Landwirtschaft werden Insekten auch attraktiver aufgrund der hohen Futtermittelpreise. Und sie ist unabhängiger von Sojaimporten.

4. Aquaponik

Aquaponik ist die Kombination aus Fisch- und Pflanzenzucht auf erdelosen Substraten oder auch ganz ohne Substrate. Beide Kulturen teilen sich den gleichen Wasser- und Nährstoffkreislauf. Ammonium wird durch Bakterien in Nitrat umgebaut und dient so der Düngung der Pflanzen.

Natürliche Gewässer können dabei schnell überdüngt werden. Im technisch unterstützten Stickstoffkreislauf wird eine Belastung von Gewässern verhindert, da die Pflanzen diesen aufnehmen und verwerten können.

Die Wasseraufbereitung funktioniert über Biofilter, wodurch die Pflanzen mit einem optimalen pH-Wert und ausreichend Nährstoffen versorgt werden können. Wird ein System aus zwei Kreisläufen eingesetzt, kann Wasser rückgewonnen werden, sodass Frischwasser nur den Teil ersetzen muss, der durch Biomasse und Verdunstung verloren geht.

In einer Aquaponikkultur kann mit 100 Litern Wasser 1 Kg Fisch und 5 Kg Tomaten erzeugt werden. Da der Tomatenanbau sehr wasserintensiv ist, wird so die Ressource Wasser sehr geschont: Bis zu 180 Litern werden für 1 Kilo verbraucht, was auch dazu führt, dass der Grundwasserspiegel sinkt. Dies kannst du auch beim Bundesinformationszentrum Landwirtschaft nachlesen.

Kulturfische bevorzugen pH-neutrales Wasser, mit dem Salat und Kräuter gut zurechtkommen. Andere Pflanzen benötigen eher saures Wasser. Zudem sind Pflanzen wie Paprika und Tomaten anspruchsvoll, was die Nährstoffzusammensetzung von Wasser und Substrat angeht, sodass es schwierig ist, eine Bandbreite an Pflanzen in Aquaponikkulturen zu züchten. Fische, die dort typischerweise gezüchtet werden, sind Talpia (Buntbarsch), Karpfen, Forellen und Hechte.

5. Vertical Farming

Ähnlich wie Aquaponik ist auch Vertical Farming, vertikale Landwirtschaft oder der vertikale Anbau von Pflanzen, ein urbaner Trend, da er in Gebäuden möglich ist. Dabei wachsen Pflanzen an Türmen in die Höhe, was zudem Platz spart. An diesen haben bis zu 52 Pflanzen Platz und gleichzeitig werden gegenüber dem herkömmlichen Anbau 90% Wasser gespart.

Die Türme drehen sich, damit die Pflanzen von allen Seiten gleich viel Licht erhalten. Ein Vorteil ist, dass sie im Winter so auch problemlos wachsen können. Statt Erde werden Biopolymere aus Zucker und Maisstärke eingesetzt sowie Wasser, das mit Nährstoffen angereichert ist. Das System eignet sich auch für Gewächshäuser und Folientunnel. Abnehmer sind aktuell vor allem lokale Gastronomiebetriebe, wie du bei St. Galler Bauer nachlesen kannst.

Im urbanen Raum haben Aquaponik und die vertikale Landwirtschaft aber großes Potenzial.

Fazit

Es gibt viele innovative Ideen, die die Landwirtschaft revolutionieren können. Was sich davon am Markt etablieren wird, bleibt abzusehen. Sie sind besser für die Umwelt, da sie Ressourcen wie Wasser deutlich schonen. Digitale Lösungen werden schon jetzt sehr viel eingesetzt - so auch in der Lebensmitteldirektvermarktung. ERP-Software kann übrigens auch durch gesteigerte Effizienz und Tourenoptimierung Ressourcen sparen.

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