

Der Nährhumus macht 10-20% der organischen Bodensubstanz aus und ist essenziell für ein aktives Bodenleben, das für einen gesunden Boden sorgt. Der Aufbau und Erhalt von Humus ist daher zentral und wird durch Kompost und die Abwechslung in der Fruchtfolge gewährleistet. Wir geben dir einen Überblick, was du über die Humuswirtschaft wissen musst.
Die Humuswirtschaft ist eine landwirtschaftliche Praxis, bei der Deckfrüchte, Ernterückstände und Kompost in den Boden eingearbeitet werden, um dessen Beschaffenheit zu verbessern.
Bodengesundheit ist wichtig für seine Widerstandsfähigkeit. Dabei wird die Aggregation gefördert, die wiederum die Wasserspeicherung und –infiltration fördert. Und dies verhindert Auswaschung und Erosion. Außerdem wird dadurch der Boden belüftet für ein besseres Wurzelwachstum. Zudem wird er mit Mikroben, Bakterien, Pilzen und Regenwürmern angereichert, die für den Nährstoffkreislauf wichtig sind und die Pflanze bei der Krankheitsbekämpfung unterstützen.
Klassischerweise unterscheidet man zwischen dem Nährhumus, dem zersetzbaren Teil, und dem Dauerhumus, der durch mikrobielle Umbauprozesse entsteht und somit nicht zersetzbare Huminstoffe enthält. Letzterer macht den Großteil der organischen Bodensubstanz von 80–90 % aus und sorgt für die Aggregatbildung und somit für ein gesundes Bodengefüge mit Poren, in denen Wasser gespeichert werden kann. Humus kann das 20-fache seines Gewichts an Wasser speichern. Die Poren verhindern auch die Auswaschung von z.B. Pflanzenschutzmittel ins Grundwasser. Die anderen 10–20% bildet der Nährhumus, der die Nährstoffe für das Bodenleben enthält.
Neuere Untersuchungen widerlegen die Annahmen der alten Theorie, dass Huminstoffe bzw. Verbindungen resistent gegen mikrobiellen Abbau sind. Tatsächlich hat man Huminstoffe als komplexe und stabile Verbindungen im Dauerhumus gar nicht gefunden, sondern fand dort Proteine, Lipide und Polysaccharide, die beim Zersetzungsprozess von Pflanzenresten entstehen. Das, was Dauerhumus so stabil macht, sind vielmehr alte organische Bodensubstanzen, die als Calcium- oder Aluminiumkationen auf der Tonschicht brückenbildend für Ton-Humus-Komplexe fungieren. Diese schützen vor dem Abbau.
Eine weitere wichtige Erkenntnis: Zellwandbestandteile wiesen darauf hin, dass der Kontakt zwischen Mikroorganismen, Nährstoffen und Ton eine wichtige Rolle spielt. Diesen Kontakt stellen Wurzeln und Wurzelexsudate her. Wurzelexsudate scheinen effektiver zur Bildung von Dauerhumus beizutragen als abgestorbene Pflanzen- und Wurzelreste oder Wirtschaftsdünger. Pflanzen- und Erntereste, die als Mulch auf dem Feld verbleiben, dienen hingegen Regenwürmen als Nahrung, was wiederum hilfreich für die Bildung von Ton-Humus-Komplexen ist, wie du bei der Landwirtschaftskammer nachlesen kannst.
Der Dauerhumus ist also nicht resistent gegenüber Abbauprozessen, sondern nur so lange davor geschützt, wie er in Bodenaggregaten eingeschlossen ist oder an den Ton-Humus-Komplexen hängt. Der Kationenaustausch ist bei Ton besonders hoch und hilft bei der Bildung von Ton-Humus-Komplexen. Tonboden speichert sehr gut Wasser und Nährstoffe und ist daher einerseits sehr gut weil fruchtbar, andererseits neigt er zur Vernässung und ist schwer bearbeitbar. Dauerhumus entsteht in Ton-Humus-Schichten mit Ton-Humus-Komplexen. Der richtige Gehalt an Kalium, Calcium und Magnesium sorgt für eine luftige Bodenstruktur.
Bei Tonböden mit einem Tonanteil >13 % sollte der Anteil von Humus bei mehr als 1,5% liegen, was an ihrer Neigung zur Vernässung liegt. Genau genommen, werden Böden erst als tonig bezeichnet, wenn der Anteil bei über 45 % liegt. Per se sind die Hauptarten Ton, Sand, Schluff und Lehm. Enthält ein Boden Anteile an Schluff und Lehm, handelt es sich eher um Übergangsformen wie Ton-Lehm oder lehmigen Ton, wie du bei Checknatura nachlesen kannst.
Humus übernimmt wichtige Funktionen im Boden und ist somit auch für die konventionelle Landwirtschaft relevant. Beispielsweise bindet die Schicht viele Nährstoffe für Insekten wie Würmer, die wiederum die Erde lockern und den Boden zugänglicher für die Wurzeln der Pflanzen machen. Dort findet zudem der mikrobielle Umbau von Nährstoffen statt, durch den Phosphat, Stickstoff und Schwefel für die Pflanze verfügbar gemacht werden.
Außerdem schützt er den Boden vor Erosion, indem er Magnesium und Kalium im Humus bindet und so verhindert, dass er vom Regen ausgewaschen wird. Das ist insbesondere für sandige Böden essenziell. Außerdem kann durch die Schicht auch besser Wasser gespeichert werden. Humus in Bodenaggregaten kann jahrzehnte- bzw. auch jahrhundertelang dort eingeschlossen sein und bindet dementsprechend auch effektiv Kohlenstoff - zwei- bis dreimal so viel wie in der Atmosphäre vorhanden ist. Es ist für die Landwirtschaft daher relevant, diesen zu erhalten.
Erntereste, Stallmist und Kompost, die dem Boden zugeführt werden, helfen dabei, Humus aufzubauen. Der Humusgehalt sinkt, wenn langfristig mehr Nährstoffe durch den Pflanzenbau abgebaut werden und zu wenig durch Dünger wieder in den Boden eingebracht wird. Betriebe ohne Vieh haben durchaus Probleme mit fehlendem Stickstoff, engen Fruchtfolgen und humuszehrendem Anbau von Silomais, der für die Biogasproduktion immer wichtiger wird.
Kompost besteht aus Speise- und Pflanzenresten, die bei Sauerstoff verrottet sind. Daher enthält er Pflanzennährstoffe wie Stickstoff und Phosphat, das enthaltene Kalium ist 100% pflanzenwirksam. Für Ton-Humus-Komplexe und Dauerhumus wichtig ist auch Calcium. Außerdem dient Kompost der Kalkung des Bodens, was den pH-Wert und damit das Pflanzenwachstum beeinflusst. Er aktiviert das Bodenleben, was wiederum für den mikrobiellen Abbau notwendig ist. Denn darüber können die Pflanzen erst den Stickstoff, Schwefel und das Phosphat überhaupt aufnehmen. Kompost enthält alle Pflanzennährstoffe.
Bei Kompost muss man allerdings beachten, dass nur der gelöste Stickstoff im gleichen Jahr der Anwendung für die Pflanzen verfügbar ist. Über 90% des Stickstoffs ist organisch gebunden und dient der Humusreproduktion. Auch Phosphat liegt in schwer verfügbaren Bindungen vor, wird aber längerfristig auf den Düngebedarf angerechnet. Der phytosanitäre Effekt von Kompost ist die Unterdrückung von Krankheitserregern im Boden.
Die meisten Betriebe haben sich auf einen Wirtschaftszweig spezialisiert mit engen Fruchtfolgen als Konsequenz. Für Biogasanlagen muss zum Beispiel auch viel Silomais angebaut werden, der dem Boden viel Humus entzieht. Das Stroh verbleibt nicht auf dem Feld, sondern wird häufig an Betriebe mit Pferden verkauft. Dann ist der Einsatz von Kompost sinnvoll.
In der Landwirtschaft kann von der RAL gütegesicherter Kompost verwendet werden, der aus Haushalten stammt. Die Düngeverordnung sieht vor, dass der Bedarf ermittelt werden muss, da auch nur so viel auf das Feld eingebracht werden darf. Sperrfristen wie für Gülle gelten für Kompost allerdings nicht, weil er keinen Wirtschaftsdünger darstellt. Die Verwendung von gütegesichertem Kompost stellt sicher, dass dort keine Schwermetalle enthalten sind, die auch laut Bio- und Düngemittelverordnung verboten sind. Betriebseigener Kompost muss auf verschiedene Schwermetalle geprüft werden.
Humuswirtschaft bedeutet in der landwirtschaftlichen Praxis, den Humusgehalt im Boden aufzubauen und zu erhalten. Dazu wird statt schnell zersetzbarem Wirtschaftsdünger Kompost eingesetzt und humusmehrende sowie -zehrende Pflanzenkulturen in der Fruchtfolge berücksichtigt.
Da die Betriebe in der Regel auf einen Wirtschaftszweig spezialisiert sind, spielt der Aufbau und Erhalt von Humus für die Bodengesundheit eine zentrale Rolle - auch für Betriebe mit regionaler Direktvermarktung. Suchst du dafür noch ein passendes ERP-System? Dann schau doch bei FrachtPilot vorbei, lerne uns in einem kostenlosen Webinar kennen oder teste die Software 30 Tage kostenlos. Wir freuen uns auf dich!